Über Fußballgewalt reden heißt von Auschwitz schweigen

Ein lesenwerter Artikel von „Publikative.org“:

Immer, wenn man denkt, noch dümmer, sachfremder und unzweckmäßiger könnte die aktuelle Debatte um Fußballgewalt nicht mehr geführt werden, kommt jemand und findet eine Falltür im Niveaukeller. Diesmal ist es der „Focus“, der die Dortmunder Ultras per Überschrift und Dachzeile als „Zeichen gegen Gewalt“ „nach Auschwitz schickt“.

Ja, Sie haben richtig gelesen: Auschwitz, das neue Ultra-Umerziehungsprogramm. Denn, so Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke laut Focus in einem „Sport Bild“-Interview: „Einige unserer Ultras, die oft kritischer gesehen werden, als sie sind, waren zuletzt auf Einladung des Vereins in Auschwitz. Dort haben alle vor Augen geführt bekommen, wo Gewaltexzesse hinführen.“

Sollte Watzke diese Unsinn tatsächlich gesagt haben, so sei ihm Folgendes mit auf den Weg gegeben: Auschwitz war kein „Gewaltexzess“, der mit Schlägereien und Pyrotechnik anfing und mit Massenmord endete. Sondern es war der Endpunkt einer planmäßigen Deklassierung, Dehumanisierung, Verfolgung und Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden durch den deutschen Staat und seine Organe! Wer die in Wirklichkeit namenlose, weil unaussprechliche „Gewalt“ an diesem Ort mit der Gewalt einiger Fußball-Hools vergleicht, hat mit Verlaub nicht alle historischen Tassen im Schrank. Sollte dieses Zitat stimmen, sei Herrn Watzke dringend angeraten, es seinen Ultras gleichzutun und an den Ort des Schreckens zu fahren. Und anschließend möge er bitte im Zusammenhang mit Fußballgewalt für immer von Auschwitz schweigen.

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