Torjubel in der rechten Kampfzone

Lesenswerter Artikel aus der Jungle World:

Immer wieder fallen Fußballprofis dadurch auf, dass sie Tore mit einschlägigen Gesten feiern. Und anschließend wortreich entschuldigt werden.

Paramilitärische und faschistische Symbolik ist längst nicht mehr nur in den Fankurven der europäischen Stadien auszumachen. Sie wird mittlerweile von den Fußballspielern selbst mit viel Kalkül eingesetzt und lässt sich deshalb auch nicht mehr als Anhäufung von Zufällen erklären. Die rechte Kampfzone ist langsam, aber stetig ausgeweitet worden und hat nunmehr die Spielfelder erreicht. Dabei folgen diese Inszenierungen immer demselben Muster. Von den Handelnden werden sie als ausgelassener Torjubel ausgegeben und anschließend hartnäckig als belanglos und »unpolitisch« verharmlost. Die Kicker sind sich dabei gewiss, dass sie dafür weder von den Vereins- und Verbandsoffiziellen noch von ihren Trainern zur Rechenschaft gezogen werden, sondern sogar offensiv und dauerhaft für ihr Verhalten in Schutz genommen werden. Gemeinsam wird abgewiegelt, Unkenntnis wird vorgetäuscht, Spieler bezeichnen sich zudem als gesellschaftspolitisch unerfahren. Im Grunde wird das Ganze zu einem »Dumme-Jungen-Streich« erklärt. Und damit gibt sich dann, nach einer kurzen, öffentlichen Empörung, auch die vermeintlich kritische Fußballöffentlichkeit zufrieden.

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