Überall Taksim – Überall Widerstand!

Ein lesenswerter Artikel aus der aktuellen „Transparent“-Ausgabe:

In unserer sechsten Ausgabe berichten wir von den Großprotesten in Brasilien und der Türkei. In beiden Ländern spielen die Fußballfans eine wichtige Rolle bei den Demonstrationen. Unser Autor Marius Kanzinger war für uns in Istanbul unterwegs. Er erzählt von atemberaubenden Momenten und liefert Hintergründe zu den Protesten.

Die Fußballfans übernahmen in der Türkei von Beginn an, wie auch bei der Revolution in Ägypten, eine entscheiden-de Rolle in den Kämpfen gegen die Polizei. Die sich selbst als anarchistisch bezeichnende Ultragruppe »Çarşı«, Anhänger des Erstlistigsten Beşiktaş Istanbul, ragte durch die Nähe ihres Viertels zum Taksim-Platz, aber auch durch ihre schnelle Anwesenheit an den ersten Tagen der Kämpfe heraus. »Tausende Carsi-Mitglieder waren seit den ersten Stunden aktiv und überall präsent. Sie klauten Baustellenfahrzeuge, jagten damit Wasserwerfer und verbreiteten Videos davon.

Wer Çarşı bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht kannte, lernte sie mit diesen Bildern kennen«, erzählt uns Dilek (Name geändert), eine Sprecherin der Devrimci İşçi Partisi (DIP), der türkischen revolutionären Arbeiterpartei. Die Gruppen »Outside Left«, »Kill for You« und »Vamos Bien« von Fenerbahçe Istanbul sowie die Gruppe »Singlefist« des dritten großen Istanbuler Vereins Galatasaray treten ebenso organisiert auf den Straßen Istanbuls auf. Eine der größten Gruppierungen in der Türkei, die »ultrAslan« von Galatasaray, blieb jedoch den Protesten fern. Sie gilt prinzipiell als apolitisch. Auch in anderen Städten in der Türkei führen Fangruppen die Kämpfe gegen die AKP-Regierung an. Nennenswert sind die Fans der zwei Vereine Karşıyaka und Göztepe aus Izmir, die tausende Demonstranten organisierten. Auch in der Hauptstadt der Türkei beteiligten sich die Fans an den Kämpfen. Besonders die traditionell rechten Fans des Clubs Ankaragücü überraschten. Sie stellten sich an die Seite der meist säkularen Bewegung. »Sie waren voller Wut, aber auch voller Disziplin. Dies verwunderte viele. Sie nahmen eine wichtige Rolle in der Verteidigung der Barrikaden im Stadtzentrum von Ankara ein und waren gut organisiert«, erzählt uns Dilek weiter. Es sind Vereinigungen und Massen, die die AKP-Regierung teilweise zum Rückzug zwangen. Die Polizei zog sich nach den schweren Zusammenstößen aus dem Gezi-Park vorläufig zurück und überließ diesen den Menschen.

Weiter

Teilen - Gefällt mir:
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • email
  • del.icio.us